Presseerklärung der Obleute der Fraktionen im Unterausschuss Vereinte Nationen,
internationale Organisationen und Globalisierung
Vom 20. bis zum 22. September 2010 wird in New York der UN-Gipfel zu den
Millenniumsentwicklungszielen stattfinden – zehn Jahre nach der Verabschiedung der Ziele
durch alle Staats- und Regierungschefs der Welt. Die Sprecher der Fraktionen des
Unterausschusses „Vereinte Nationen, internationale Organisationen und Globalisierung“ des
Deutschen Bundestags wollen in der Vorbereitung dieser Konferenz den Appell des
Generalsekretärs der Vereinten Nationen zur Erfüllung der Millenniumsentwicklungsziele
unterstützen.
Fortschritte sind in der Verwirklichung der Millenniumsentwicklungsziele beim Zugang zu
Grundschulbildung, zu sauberem Wasser und bei der Bekämpfung von Malaria und HIV/Aids zu
verzeichnen, auch in einigen der ärmsten Ländern der Welt. Dies belegt, dass die
Millenniumsentwicklungsziele mit der richtigen Politik in den Entwicklungsländern,
ausreichenden Investitionen und internationaler Unterstützung durchaus erreichbar sind. Aber
die skandalösen Zahlen der Kinder- und Müttersterblichkeit belegen, dass die Weltgemeinschaft
seit Jahren weit hinter den Vereinbarungen liegt. Dass noch immer jede Minute weltweit eine
Frau bei der Geburt eines Kindes oder an den Folgen einer Geburt stirbt und 99 % dieser
Frauen in Entwicklungsländern sterben, zeigt, welche Anstrengungen notwendig sind, um die
Ziele zu erreichen.
Hinzu kommt: Unter den Folgen des Klimawandels, der Weltwirtschaftskrise, Finanz- und
Ernährungskrise leiden am meisten die, die mit ihren Ursachen am wenigsten zu tun haben. In
den Entwicklungsländern wurden dadurch mühsam errungene Erfolge zunichte gemacht. Ohne
zusätzliche Anstrengungen werden einige Ziele in vielen Staaten, vor allem in Subsahara-
Afrika, nicht erreicht werden.
Der UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat in seinem Bericht zum Stand der Verwirklichung der
Millenniumsentwicklungsziele vom Februar diesen Jahres einen eindeutigen und klaren Appell
ausgesprochen: Nur mit einem noch in diesem Jahr vereinbarten weltweiten Aktionsplan
können die Millenniums-Entwicklungsziele noch erreicht werden! Der UN-Gipfel vom 20.-22.
September in New York bietet eine einzigartige Chance, um gemeinsame Anstrengungen und
Partnerschaften zu stärken. Der Millenniumsgipfel sollte ein Rahmenwerk verabschieden, das
weltweite Hilfszusagen zusammenführt, eine Effizienzsteigerung der Mittel bewirkt, Ergebnisse
mit einem Zeitplan verbindet und Instrumente zur Überprüfung enthält.
Bei der Verabschiedung der Millenniumsentwicklungsziele ist die internationale Gemeinschaft
eine Verpflichtung eingegangen, die für Millionen von Menschen zur entscheidenden Hoffnung
und Aussicht im Kampf gegen Hunger und Armut wurde. Beim G-8 Gipfel 2005 in Gleneagles
sind als Ziel für 2010 rund 154 Milliarden US-Dollar an Official Development Assistance
zugesagt worden. Zusätzlich müssen aber, nach Aussagen von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, alle Geber zusammen 35 Milliarden US-Dollar bereit stellen, um dieses Ziel zu erreichen.
Wirtschaftswachstum ist notwendig, reicht aber nicht aus, um Fortschritte zur Verwirklichung der
Millenniumsentwicklungsziele zu erzielen. Wir müssen sicherstellen, dass das Wachstum alle
Beteiligten einschließt, um die Armut bekämpfen zu können. Es geht um nachhaltige
wirtschaftliche Zusammenarbeit und um ein Wachstum, das die natürlichen Ressourcen schont,
die biologische Vielfalt nicht gefährdet und den Klimawandel eindämmen hilft.
Zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele ist ein kohärenter Politikansatz notwendig.
Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit dürfen nicht durch einseitige Weichenstellungen auf
anderen Politikfeldern – etwa der Finanz- Handels oder Agrarpolitik – konterkariert werden.
Zurecht hat UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon gewarnt, dass es ein „inakzeptables Versagen“
bedeuten würde, wenn die Ziele nicht erreicht werden können. Wir erwarten von der deutschen
Regierung, dass unser Beitrag zur Finanzierung der Millenniumsentwicklungsziele verlässlich
geleistet wird. Darüber hinaus gilt es, dafür zu sorgen, dass auch die anderen Geberländer sich
verbindlich verpflichten, die zugesagten Gelder bereitzustellen.
Dr. Bijan Djir-Sarai, MdB, FDP
Heike Hänsel, MdB, LINKE
Thilo Hoppe, MdB, Bündnis 90 / Die Grünen
Jürgen Klimke, MdB, CDU
Heidemarie Wieczorek-Zeul, MdB, SPD
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